Montag, 20. Juni 2005

Sport ist...


Meine Güte, wo soll ich nur anfangen, es ist so viel gestern Abend im Fernsehen passiert, da verschlägt es mir heute noch die Sprache. Ich fange am Besten von vorne an:


20.10 Uhr: Ich schaue gemütlich die Tagesschau und freue mich auf das Confed-Cup- Spiel Brasilien gegen Mexiko, als Nachrichtensprecher Marc Bator mir die schockierende Nachricht überbrachte: "Der Großen Preis der USA in Indianapolis ist soeben mit nur sechs Fahrern gestartet." Ich greife reflexartig zur Fernbedienung, ungläubig dessen, was ich gerade gehört habe. Aber es ist wahr. Ferrari, Jordan und Minardi zu Sechst auf der Strecke, der Rest in der Renngrafik als "Out" eingetragen. Spontan bekomme ich einen gewaltigen Lachanfall (, der nicht der Letzte an diesem Abend sein sollte).


ca. 20.45 Uhr: Das Spiel im Ersten, das gleich anfangen sollte, war für mich erst einmal passé. Erheitert lauschte ich den deutlich angesäuerten Kommentatoren Heiko und Christian, als sich dann über Telefon Ralf Schuhmacher einschaltete, der eigentliche Auslöser für die ganze Michelin-Misere aufgrund seines Unfalls im Freien Training. Und anstatt dem Ganzen durch seine Worte ein bisschen die Schärfe zu nehmen, legte Ralf noch einmal eine Schippe drauf.
Die beiden Kommentatoren hätten überhaupt nicht die "background information", um das alles kompetent zu beurteilen, er ist ja nicht mit Absicht mit 300 in die Mauer gefahren, ja, aber es geht doch um die Fans, man soll nicht immer Ferrari den Schwarzen Peter in die Schuhe schieben, bla bla bla, zank zank zank auf beiden Seiten. Ich liege inzwischen fast am Boden vor lauter Lachen und schaffe es nur mit Mühe, nach dem Streitgespräch aufs Erste zu schalten


21.15 Uhr: ELFMETER FÜR MEXIKO!!!, hätte bestimmt der PREMIERE- Kommentator in der Konferenz gebrüllt. Mich hält es nicht mehr auf dem Sessel, meine Hände sind nur noch verschwitzt, der Puls rast angesichts dieser sportlich-historischen Fernsehminuten, die seit 20.00 Uhr auf RTL und im Ersten zu sehen sind. Jared Borgetti setzt zum Elfer, schickt ein letztes Stoßgebet gen Himmel, schießt ... und trifft! Alles ist im Freudentaumel, nur der Schiri nicht. Wiederholung, weil ein Mexikaner angeblich zu früh in den Strafraum gerannt ist.


Borgetti setzt wieder an, wieder ein Stoßgebet, wieder schießt er und ... LATTE!!! Ich breche halb zusammen, aber scheinbar ohne Grund. Schiedrichter Roberto Rosetti lässt noch mal schießen, diesmal zurecht wegen eines Brasilianers, der zu früh reingelaufen ist. Tumulte der Selecao beim Schiri-Assistenten, ohne Erfolg.


Borgetti zum Dritten, Stoßgebet, Schuss und ... Dida hält ihn!!! Ich hänge vorm Fernseher am Tropf und muss vor lauter Adrenalin erst einmal auf das beruhigende Formel1 - Rennen schalten.


Was danach kommt, ist nur noch für die Statistik. Schuhmacher gewinnt, Mexiko gewinnt, die Formel1-Fans und Brasilien haben verloren und ich habe durch diesen Abend vor lauter Stress mit Sicherheit meine ersten grauen Haare gewonnen, die ich aber mit Stolz tragen werde.


Danke fürs Lesen!

Freitag, 17. Juni 2005

Musikvideos - Eine stichprobenartige, medienwissenschaftliche Untersuchung des visuellen Ausdrucks moderner Popkultur; Heute: Banaroo


Die Musikwelt ist nicht mehr das, was sie mal war. Gestern hat man sich noch darüber empört oder darüber gewundert, dass Angehörige der Schlager-Sekte wie Bernhard Brink, Matthias Reim, Michelle oder ihre Sektenführerin Andrea Berg Alben verkaufen wie warme Semmeln und dadurch so etwas wie eine Daseinsberechtigung in der Musikwelt genießen.


Heute stehen wir einer viel grauenvolleren musikalischen Bedrohung gegenüber, dem KIDDIE-POP. Der Auslöser dieser Misere war Anfang des Jahres der Megaerfolg von Schnappi, einem, auf Deutsch gesagt, scheiße gezeichneten Babykrokodil, das auf seine infantile Weise eine Hymne auf den momentan scharf kritisierten Raubtierkapitalismus sang (Ich schnapp' / mir, was ich schnappen kann...). Dass dies nur die Spitze des Eisbergs war, beweist die Single "Dubi Dam Dam" von Banaroo, der momentane Höhepunkt unserer musikalischen Errungenschaften; Kindliche Arrangements für junge, unverbrauchte, und daher unausgereifte Sänger und Sängerinnen, denen man richtig anmerkt, dass sie es nur wegen des Geldes machen.


Das Video dazu, um es mal positiv zu sagen, passt zum Lied wie die Faust aufs Auge. Wenn man nicht schon vorher gedacht hat, dass hinter dem Ganzen ein geschicktes Remake des Eiffel 65-Hits "Blue" steckt, spätestens das Video schürt den Gedanken auf eine erschreckend klare Weise. Die Unterschiede bestehen lediglich in der Farbe der Aliens, der allgemeinen Farbenvielfalt, die bei Banaroo seeeeeehr ausgeprägt ist, dem kleinen süßen Roboterhündchen und wieder mal in der Choreographie der Bands (Eiffel 65: keine - Banaroo: leider Gottes eine).


Was soll man angesichts solcher bunter Bilder machen? Den Kindern VIVA-Fernsehverbot zu geben, reicht scheinbar nicht aus. Da muss etwas Härteres her, eine endgültige Resolution, die solche Videos und die dazugehörigen Single verbietet. Die Kiddies werden zwar heulen und ihr ganzes überschussiges Taschengeld vermutlich in Drogen investieren, aber wenigstens könnte man als Erwachsener und Musikliebhaber wieder ohne Schamesröte auf die Chartstabelle schauen. Es lebe der Kommerz!

Mittwoch, 15. Juni 2005

In the summertime...


Das Fernsehen ist im Wandel. Ich spüre es in der Erde, ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der Luft.


Jaja, das Fernsehsommerloch, eine der unverständlichsten Maßnahmen aller großen Fernsehanstalten. Jedes Jahr aufs Neue wurde uns über die heißen Monate nur alte Ramschware vorgesetzt, die allesamt etwas zu lange in der Sonne gelegen zu haben schien. Die Sender begründeten das immer mit der sessional abfallenden Gesamtquote und den daraus resultierenden Einzelquoten.


Dieses Jahr allerdings ist das Angebot so konträr wie schon seit Jahren nicht mehr. RTL auf der einen Seite zieht weiterhin seinen Sommerlochstiefel durch [nach dem Motto: Warum was ändern? Alles, was wir seit dem letzten Sommer neu gestartet haben, ist ja (zum Teil verdientermaßen) in die Binsen gegangen.] und zieht wieder seine unsäglichen "Sommer-Movies" und "Columbo" aus dem Giftschrank, während Pro Sieben z.B. auf der anderen Seite seine neuen Zugpferde "Lost" und "Desperate Housewives" nicht, wie ursprünglich geplant, in die Sommerpause schickt, sondern weitersendet. Und damit nicht genug, in dieser Woche kommen noch der Mega-Zehnteiler "Taken" und die finale Staffel von "Friends" als Sahnehäubchen hinzu (freu!!!!).


So viel geballte Qualität im Sommer, das lässt mich fast ohnmächtig werden. Und an den Confederations Cup (oder die Mini-WM) habe ich noch gar nicht gedacht, wie ich gerade feststelle. Scheiße, wird das ein Fernsehsommer! Da pfeif' ich doch auf Sonne, Strand und Zärtlichkeit!


Danke fürs Lesen!

Samstag, 11. Juni 2005

Musikvideos - Eine stichprobenartige, medienwissenschaftliche Untersuchung des visuellen Ausdrucks moderner Popkultur; Heute: "Cowboy" von Ch!pz

Vielen aktuellen Musikvideos wird eine gewisse handlungstechnische Schwäche, gar Leere vorgeworfen, die sie bis zum optischen Erguss mit "Titten, geilen Ärschen und dicken Schlitten" (Zitat aus der "Zeit" vom 31.04.) vollstopfen. Gott sei Dank gibt es noch Gruppen, die sich dieser audiovisuellen Pornoisierung nicht anschließen, sondern mit dramaturgisch ausgereiften Videos die Pausen bis zur nächsten Klingeltonwerbung ertragbar machen. Gemeint sind die höllandische Combo Ch!pz mit ihrem aktuellen Video zur Nr.1-Single "Cowboy".


Das aufgegriffene Western-Thema ist oberflächlich nicht sehr überraschend für das geübte Auge, doch zeigt es vor allem im Detail seine geradezu cineastische Größe. Die bis ins Letzte ausgefeilten, deutlich dem traditonellen Squaredance angelehnten Tanzchoreografien; die erstaunliche Situationskomik, wenn am Ende einem der Cowboys beim Händeklatschen die Hose herunterrutscht, weil er sie beim Verlassen des Plumpsklos, angelockt durch die betörenden Klänge der Ch!pz, vergessen hatte festzumachen; die raffiniert designten Siemens-Handys, die einem in Zeiten von Schleichwerbungsvorwürfen beinahe provokativ in Großaufnahme entgegenstrahlen; nur ein Bruchteil dessen, was dieses Video so besonders machen.


Über die musikalische Qualität des Werkes, ob es den ersten Platz verdient hat oder nicht, darüber mögen sich andere auslassen. Ein Land, dessen erfolgreichste Exporte ins Ausland momentan Schnappi und der Crazy Frog sind, sollte sich bezüglich solcher Pop-Importe lieber einer Aussage enthalten, ganz gemäß dem Sprichwort "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen".


Fest steht jedenfalls: Wer bei "Cowboy" "Titten, geile Ärsche und dicke Schlitten" sucht, verschwendet seine Zeit. Hoch lebe der Kommerz!

Freitag, 10. Juni 2005

EILMELDUNG!

Was muss ich gerade im Newsletter von MSN lesen? Julia Palmer-Stoll (21!), die Darstellerin der Simone im "Marienhof", ist in der Nähe von Dachau totgefahren worden, weil sie aus ihrem ausgestiegen ist, um einen Igel von der Straße zu tragen. Mal ehrlich, stellt man sich so den Tod vor? Überfahren bei dem Versuch, einem Igel das Leben zu retten? Naja, wenigstens soll er unversehrt geblieben sein.


Aber wie es aussieht, steht der Marienhof im Moment unter gar keinen guten Stern. Erst vor kurzem diese Geschichte mit der Schleichwerbung und jetzt auch noch so etwas. Einen Sympathieträger in einer Soap auf diese Art zu verlieren ist für die Macher nicht gerade einfach zu kompensieren. Im Grunde genommen bleiben ihnen da nur zwei Möglichkeiten:


1. Die makabre Variante: Sie machen einen sogenannten Recast, d.h. sie besetzen die Rolle mit jemandem, der Julia Palmer-Stoll zumindest im Geringsten ähnelt


2. Die respektvolle Variante: Sie machen es wie in der "Lindenstraße" und lassen die Rolle mit dem Darsteller sterben.


In Daily Soaps ist die zweite Variante aber bisher so gut wie nie angewendet worden. Das beweist wieder mal auf tragische Weise, wie austauschbar die Darsteller hinter den Figuren in solchen Soaps sind. Allein, um diesem Ganzen mal entgegen zu wirken und endlich mal wieder positive Schlagzeilen zu bekommen, müssten die Marienhof-Macher eigentlich zu Variante 2 greifen. Ich würde es auf jeden Fall sehr begrüßen.


In diesem Sinne, danke fürs Lesen und herzliches Beileid.

Spiel Becker-Raab, Vorteil Muster-Elton


Man kann zwar über das Niveau von "TV Total" lästern, wie man lustig ist, aber eines muss man Stefan Raab lassen: Wenn es bei ihm sportlich wird, dann ist echte Unterhaltung garantiert. So wie am Mittwoch das "Tennis-Spezial" in der Gerry Weber-Halle in Halle bei den Gerry Weber-Open, dem vermutlich noch publikumsträchtigsten Tennisturnier in Deutschland.


Boris Becker und Stefan Raab gegen Thomas Muster und Elton, das war die Doppel-Konstellation für dieses Match, das sich tatsächlich zu einem fast zweistündigen Event mit vielen kleinen Höhepunkten entwickelte, so wie es auch bei einer "echten" Tennispartie sein sollte. Die positivste Überraschung dabei, das hat auch der Kommentator erkannt, war tatsächlich Elton. Im ersten Satz hat er zeitweise richtig brilliert und sogar Becker und Muster mit seinen Reflexen in den Schatten gestellt. Schade nur, dass ihm danach immer mehr die Puste ausging, so dass es am Ende für Becker und Raab ein Leichtes wurde, den zweiten und dritten Satz und damit die Partie für sich zu entscheiden.


Im Großen und Ganzen aber waren diese zwei Stunden sehr erheiternd und eine echte Abwechslung in dem ansonsten stereotypen Nachtprogramm, das inzwischen auch noch kaum über das Niveau des Nachmittages hinauskommt (kein Wunder bei Programmen wie: SAT.1 Quiznight, Kabel 1 Filmquiz, die "Bahnstrecken Europas" und nicht zu vergessen, die Wiederholung sämtlicher Ge......shows)


Danke fürs Lesen!

Dienstag, 7. Juni 2005

Glückwunsch, TATORT!


Am Sonntag konnte man wieder bei einem großen Jubiläum dabei sein. Der "Tatort", die Heilige Mutter aller Krimiserien und Krimireihen, feierte seine 600. Folge.


Obwohl normalerweise dieses sonntägliche Großereignis an mir vorbeigeht (Krimi im deutschen Fernsehen ist ja wohl schon so was von ausgelutscht), habe ich es mir nicht nehmen lassen, diesen Jubiläumstatort "Sheherazade" mir zu Gemüte zu führen. Er spielte in Bremen, einem der 15 (!) Tatort-Standorte in Deutschland, wie ich der TV Spielfilm entnommen habe, mit Sabine Postel als Ermittlerin Inga Lürsen und Oliver Mommsen als ihren "Assi" Nils Stedefreund.


Zusammen kämpfen sie sich durch einen sehr obstrusen Verschwörungsthriller, mit einem manischen, manchmal auch übernervigen Ex-Junkie namens Manu, die vorgibt, sich in einen der vermeintlichen Todespiloten vom 11. September verliebt zu haben und seitdem glaubt, von den Großmächten verfolgt zu werden, was sich fast auch als wahr herausstellt (aber am Ende war es doch nur die Drogenmafia)


Insgesamt war dieses Jubiläum nicht der Vom-Hocker-Reißer, bis auf die für Tatort-Verhältnisse ungewöhnliche Optik an manchen Stellen. Aber wie heißt es so schön: "Nobody is perfect". Und bei einer Menge von 600 Folgen ist ein bisschen Ausschuss immer mit drin. Auf jeden Fall alles Gute für die nächsten 600 Folgen, lieber Tatort!


Danke fürs Lesen!